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Posts Tagged ‘Cordovan’
Das Mann-Schuh-Paradoxon
Dass die Schuhe eines Mannes oft dem ersten Blick einer Frau zum Opfer fallen, haben sicherlich schon einige von uns leidlich erfahren müssen.
Wogleich sich die Allermeisten dessen nicht bewusst und somit ganz besonders aufgefordert sind, die folgenden Zeilen zu lesen.
„Entweder Ihr habt keine Ahnung von Schuhen – oder Ihr seid total verrückt!“
lautete einmal eine vernichtende Charakterisierung einer, sagen wir mal, weiblichen Zielperson von mir.
Will heißen: Die einen treten mit (farblich) völlig unpassendem, ungepflegtem bis verdrecktem oder gar ausgetretenem Schuhwerk einer Frau unter die Augen, die andere Gattung von Männern kultiviert ein ausgesprochenes Faible für – vorzugsweise aus Boxcalf oder Cordovan gefertigte – Schuhe, Auswahl, Kauf und Pflege derselben durch eigene Hand natürlich eingeschlossen.
Für mich, der ca. 30 Paar besitzt, selbst Fuß und damit selbstverständlich auch Hand anlegt, wenn’s um die Pflege geht, trifft wohl eher letzteres zu. Gemeinhin soll ja der Mittelweg der Goldene sein – und so soll dies kein Eintrag für Insider werden, sondern in aller gebotenen Kürze über die Fakten informieren.
Fakt 1:
Zumindest ein gutes Paar Schuhe sollte jeder Mann im Schrank stehen haben.
Eines, das ihn zu geschäftlichen wie formellen Anlässen angemessen kleidet und gleichermaßen zur Beute im Schema der modernen Frau jedweden Alters avancieren lässt.
Ich empfehle einen Derby in schwarzem Boxcalf-Leder, wahlweise als Plain (glatt) oder Brogue (verziert), natürlich in rahmengenähter Machart mit Ledersohle. Sofern nicht Beige- und Brauntöne die Garderobe des Herrn dominieren, universell, weil zu Anzug und Kombi, Chino, Leinen- und Cordhose – und natürlich auch zur Jeans hervorragend zu tragen.
Fakt 2:
Für ein solches Paar sollte der Herr sich und seinen Füßen etwas Gutes tun und nicht zu sehr knausern!
Dieses eine gute Paar Schuhe muss ihm den Betrag von 250 Euro schon wert sein, nach Belieben jederzeit mehr – aber bitte nicht weniger! Denn gute Herrenschuhe werden aus hochwertigen Häuten aufwändig (rahmen-) genäht und nicht geklebt (allenfalls die Sohle). Und so ein Paar haben Sie, wenn nicht täglich getragen und bei durchschnittlicher Pflege, 15 Jahre und länger – und das lässt die Dimension des Kaufpreises wiederum in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Fakt 3:
Man (oder besser: die Dame) sieht, ob es ein 79,90-Schuh aus Spalt- oder Kunstleder fernöstlicher Provenienz ist, oder der von uns bevorzugte.
Fragen Sie mich jetzt bitte nicht warum, aber die holde Weiblichkeit hat das zweite Gesicht, wenn es um solche Dinge geht. Zudem ließe sich anführen, dass auch objektiv ein Unterschied zu erkennen ist, denn die verarbeiteten Leder eines Oberklasseschuhs sind qualitativ wesentlich hochwertiger und können mit wenigen Bürstenstrichen (Pflicht!) vor dem Ausgehen zu einer wirklichen Glanzerscheinung werden - und diesem Punkt kommt besondere Bedeutung zu, wollen Sie bei der Verabredung mit Ihrem Erscheinungsbild punkten.
Damit auch der teure Schuh sein Erscheinungsbild über die Jahre erhält und nicht altert, sondern vielmehr reift und somit auch sein Geld wert bleibt, sei zuletzt die konsequente Verwendung eines passenden und unlackierten Holzspannleistens (vulgo: Schuhspanner) unmittelbar nach dem Tragen empfohlen. Damit Sie auch in Zukunft noch kraftvoll in Erscheinung treten können!
Zu guter Letzt noch die einfachste aller Schuhregeln:
"Ein guter Schuh adelt selbst die zerrissene Jeans – ein Schlechter verdirbt den besten Anzug.“
Markus Goss
Auszugsweise einige konkrete Empfehlungen für einen solchen Schuh…
László Vass – Alt Wien Modell 24 “Neuer Peter” (schwarzes Boxcalf)
Church’s – Paris (Capital black)
J. M. Weston – 449 (black calfskin)
Prime Shoes – PS Bergamo (calf black)
Allen Edmonds – McTavish (4005, Leder schwarz)
Lotusse – A2523
Crockett & Jones – Aintree (black calf)
… eine kleine Übersicht der Schuhformen und -Schuhbezeichnungen:
…sowie Informationen zur richtigen Passform.
Es gibt natürlich auch bestimmte Typen, die individuelles Schuhwerk bevorzugen und auch tragen können.
Einer solchen „Was für ein Typ bin ich und welcher Schuh passt zu mir“ Zuordnung werde ich in meinen nächsten Einträgen immer mal wieder den Vorzug geben.
Bonne chance!
Markus Goss







